Programm – China-Institut Frankfurt

Konzept China Wissen

Eine Vortragsreihe des China-Instituts
an der Universität Frankfurt
2010

Die dynamische wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklung Chinas seit Begin des neuen Jahrtausends hat die Beschäftigung mit China als Staat, Wirtschaftsmacht und Kultur mit langer Geschichte zu einem der zentralen Themen der globalen Gesellschaft gemacht. Wissen über China ist für unser Verständnis der gegenwärtigen und künftigen Entwicklung der Welt unverzichtbar. China ist uns heute näher als je zuvor. Seit in den Medien Berichte zu allen Aspekten der chinesischen Entwicklung an der Tagesordnung sind, hat China den Status des exotisch Anderen verlohren. Dennoch bleibt uns China häufig seltsam Fremd. In manchen Bereichen erscheint es erschreckend eindimensional, in anderen Bereichen so facettenreich, daß eine unabhängige und informierte Meinungsbildung nahezu unmöglich scheint. Hier will die Veranstaltungsreihe China Wissen Abhilfe schaffen. China-Wissenschaftler und Praktiker halten auf Einladung des China-Instituts Vorträge zu aktuellen Themen und zu Problembereichen, die sich auf Kernfragen der chinesischen Identität beziehen. Ihre Tragweite beziehen diese Identitätsvorstellungen aus der Bedeutung , der Geschichte und Tradition im heutigen China beigemessen werden. Geschichte, Gegenwart und Zukunft verschmelzen miteinander. Eine kritische differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Schichten aus denen sich unser Chinabild und vor allem das chinesische Selbstbild zusammensetzen, ist für jeden, der sich aus beruflichen oder privaten Interesse mit China beschäftigt, unverzichtbar.
November

Die Not der Nachbarschaft: Ein Blick auf die japanisch-chinesischen Beziehungen im Jahr 2010 (Botschafter Dr. Volker Stanzel)

IHK Frankfurt am Main, 60313 Frankfurt am Main , Börsenplatz 4
10. November 2010 | Mittwoch | Zeit: 18:00

Dr. Volker Stanzel war 2004-2007 deutscher Botschafter in Peking, anschließend Politischer Direktor im Auswärtigen Amt und ist seit Ende 2009 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Japan.

Veranstalter: China Institut an der Goethe-Universität Frankfurt e.V.

Mit freundlicher Unterstützung der

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Juni

Dem Täter auf der Spur: Fiktionale und reale Verbrechens­aufklärung im vormodernen China (PD Dr. Carsten Storm, Dresden, Bochum)

Goethe‐Universität Frankfurt Campus Westend, IG 311 , Frankfurt am Main
30. Juni 2010 | Mittwoch | Zeit: 18:00

Ermittlung wie auch Urteilsfindung und Strafvollzug fielen im vormodernen China in die Zuständigkeit der lokalen Magistrate, die bei der Ermittlungsarbeit weitgehend auf ihren eigenen Erfindungsreichtum angewiesen waren. Der Mangel an offiziellem Schrifttum zu Ermittlungsstrategien wurde seit der Song‐Dynastie durch Fallsammlungen und Handbücher ausgeglichen. Hier findet sich ein reiches Feld an Tricks und Taktiken, die im Überblick vorgestellt werden. Viele dieser Elemente und Fachkenntnisse haben Eingang in die chinesische Kriminalliteratur gefunden. Dennoch variieren die Ermittlungsstrategien, wie überhaupt professionelle und laienhafte Vorstellungen und Kenntnisse vom Recht und seinen Prozeduren oftmals große Unterschiede aufweisen. Diese Unterschiede sind in den Erzählungen zum einen ästhetischen Gründen geschuldet, vermitteln aber auch ein anderes Rechtsverständnis und erlauben so einen Einblick in laienhafte Rechtsvorstellungen und ihrer Entwicklungen bis zum Ende der Kaiserzeit.

PD Dr. Carsten Storm ist Lehrbeauftragter am Ostasienzentrum der TU Dresden. Er hat 2004 zum Thema „Von Tätern und Opfern. Rechtsmentalität in chinesischen Kriminalerzählungen zwischen 1600 und 1900 promoviert (Universität zu Köln) und 2008 an der Ruhr‐Universität Bochum habilitiert.

Mai

Design in China – unaufhaltsam auf dem Weg zu Originalität und Kompetenz (Professor Philine Bracht School of Design, Hong Kong Polytechnic University)

Museum für Angewandte Kunst, 60594 Frankfurt am Main , Schaumainkai 17
27. Mai 2010 | Donnerstag | Zeit: 19:00

In den letzten Jahrzehnten ist die industrielle Entwicklung in den speziellen Verwaltungszonen Chinas rasant gewachsen. Es gibt kaum noch Produkte, die nicht in Teilen oder ganz in China hergestellt sind. Die Schritte von der Herstellung auf Auftrag (OEM) zur Entwicklung von originalem Design (ODM) von Produkten für den Export wie für den eigenen Markt gehen ebenso rasant voran. Wie das vor sich geht beleuchtet der Vortrag von Frau Prof. Bracht, die diese Entwicklung in 20 Jahren auf professioneller Ebene in Asien miterlebt hat. Prof. Bracht unterrichtet seit 1990 Produkt Design an der School of Design der Hong Kong Polytechnic University.

Veranstalter: China Institut an der Goethe-Universität Frankfurt e.V.

in Kooperation mit:

Deutsche Hongkong Gesellschaft e.V., Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, HKTDC, Deutscher Designer Club e.V.

Januar

Neue Perspektiven für einen Achtzigjährigen: Der Peking-Mensch und die Evolution der Menschen in China (Dr. Christine Hertler, Senckenberg Forschungsinstitut)

Festsaal Senckenberg Naturmuseum, 60325 Frankfurt , Senckenberganlage 25
13. Januar 2010 | Mittwoch | Zeit: 19:00

Zu Unrecht ist der achtzigste Jahrestag des Peking-Menschen neben den vielen anderen Jahrestagen im vergangenen Jahr ein wenig ins Hintertreffen geraten. Denn die menschliche Siedlungsgeschichte in China ist ähnlich lang wie die in Europa. Allerdings zeigt die Forschung, dass die frühen „Chinesen“ weniger isoliert lebten – Der erste von insgesamt vierzehn Schädeln wurde 1929 in Zhoukoudian, nahe Beijing gefunden. Damit war das Forscherinteresse geweckt: In den 1930er Jahren setzte ein internationales Team die Grabungen in Zhoukoudian fort und erzielte insbesondere bei der wissenschaftlichen Bearbeitung der Funde ein hohes Niveau. Fatal war dann der Verlust der Originale, die verloren gingen, als man sie wegen des Krieges außer Landes bringen wollte. Weitere etwa 1,2 Millionen Jahre alte Fossilfunde aus Lantian, Maba und Dali sowie an anderen Orten brachten dann neue Erkenntnisse über die Evolution des Menschen in China. Christine Hertler stellt in ihrem Vortrag den Peking- Mensch vor und entwirft dabei ein Bild seiner spannenden Entwicklungs- und Siedlungsgeschichte.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Senckenberg Forschungsinstitut statt.