{"id":11,"date":"2015-03-27T14:04:29","date_gmt":"2015-03-27T14:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www2.chinainstitut-unifrankfurt.de\/?page_id=11"},"modified":"2015-07-15T08:30:38","modified_gmt":"2015-07-15T08:30:38","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/china-institut.uni-frankfurt.de\/?page_id=11","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2>1. Der Gr\u00fcnder &#8211; Richard Wilhelm<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/china-institut.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/richardw.jpg\" alt=\"Richard Wilhelm\" width=\"150\" height=\"200\" \/>Das China-Institut an der Goethe-Universit\u00e4t wurde im Jahre 1925 von Richard Wilhelm gegr\u00fcndet. Richard Wilhelm ging Ende des 19. Jahrhunderts als protestantischer Missionar in die deutsche Kolonie Qingdao. Dort betreute er die deutsche Kirchengemeinde und die Schule und missionierte die chinesischen Bewohner der Kolonie. Aus dem christlichen Missionar wurde aber schon bald ein Bewunderer und F\u00fcrsprecher der chinesischen Kultur. Wie Richard Wilhelm sp\u00e4ter nicht ohne Stolz berichtete, habe er in den langen Jahren seines Wirkens in China nicht einen Chinesen zum Christentum bekehrt. Das hei\u00dft nun keineswegs, da\u00df Richard Wilhelm dem Christentum an sich kritisch gegen\u00fcbergestanden w\u00e4re, ganz im Gegenteil bildete das Christentum zeit seines Lebens den geistigen Hintergrund seiner Rezeption chinesischer Kultur und Weisheit. Nur der Gedanke der Mission war Richard Wilhelm fremd. Das Christentum sollte allein durch das pers\u00f6nliche Vorbild seiner Anh\u00e4nger wirken.<\/p>\n<p>Wilhelm setzte sich f\u00fcr einen Austausch zwischen westlicher und chinesischer Kultur ein. Er zog sich immer mehr aus der Missionst\u00e4tigkeit zur\u00fcck und widmete sich sinologischen Arbeiten. Er \u00fcbersetzte die klassischen Texte des chinesischen Altertums, die bis heute in Diederichs \u201eGelbe Reihe\u201c immer wieder neu aufgelegt werden und sich einer ungebrochenen Popularit\u00e4t erfreuen. Erst heute wird die gro\u00dfe Pionierleistung dieser \u00dcbersetzungsarbeit richtig gew\u00fcrdigt und neu rezipiert. Daneben steht aber noch eine Vielzahl von anderen Arbeiten Richard Wilhelms, in denen er sich aufmerksam und kritisch mit der chinesischen Gegenwart befa\u00dft. So ver\u00f6ffentlichte er Tagebuchaufzeichnungen \u00fcber die zeitgen\u00f6ssischen Ereignisse und sein Leben und Arbeiten in Qingdao, aber auch ein Werk \u00fcber chinesische Wirtschaftspsychologie, das aus einem Vortrag am Weltwirtschafts-Institut in Leipzig hervorging und eine durchaus praktische Zielsetzung hatte, n\u00e4mlich die Kommunikation und das Verst\u00e4ndnis zwischen deutschen und chinesischen Wirtschaftspartnern zu erleichtern. Damit war er einer der ersten, die sich nicht mehr nur mit dem alten China und seiner gro\u00dfen Geschichte befa\u00dften, sondern die das moderne China im Westen zu vermitteln und zu erschlie\u00dfen suchten.<\/p>\n<h2>2. Die Anf\u00e4nge des China-Instituts<\/h2>\n<p>Im Jahre 1924 wurde Richard Wilhelm von der Universit\u00e4t Frankfurt eine Honorarprofessur und ein Lehrauftrag f\u00fcr Chinakunde und Chinaforschung verliehen. Richard Wilhelm strebte die Gr\u00fcndung eines \u201eChinesischen Kulturinstitutes\u201c an, in dem er seine Idee des Kulturaustausches praktisch umsetzen konnte. Tats\u00e4chlich gelang es Wilhelm, innerhalb eines Jahres gro\u00dfz\u00fcgige Stifter aus der Mitte der Frankfurter Gesellschaft f\u00fcr die Gr\u00fcndung des China-Instituts zu finden. Schon bald gab das China-Institut einen chinesisch-deutschen Almanach und dann die Zeitschrift \u201eSinica\u201c heraus, die sich zu einer der bedeutendsten deutschen sinologischen Zeitschriften entwickeln sollte. Noch heute \u2013 63 Jahre nach dem Erscheinen ihrer bislang letzten Ausgabe \u2013 besitzt der Name Sinica in Fachkreisen einen guten Klang. Das Konzept der Sinica war es, Beitr\u00e4ge aus dem gesamten Spektrum der Chinakunde auf hohem wissenschaftlichen Niveau, aber in verst\u00e4ndlicher und ansprechender Gestaltung einem breiteren Leserkreis zu erschlie\u00dfen. Zu Beginn von konservativen Sinologen noch wegen zu gro\u00dfer Popularisierung kritisiert, kann das Konzept der Sinica immer noch \u00fcberzeugen: Viele Artikel von damals lesen sich auch in unseren Tagen mit intellektuellem Gewinn und gro\u00dfem Genu\u00df.<\/p>\n<p>Der Kreis des China-Instituts umfa\u00dfte bald mehrere hundert Pers\u00f6nlichkeiten aus f\u00fchrenden Kreisen der Weimarer Republik und wurde ein wichtiges Zentrum nicht nur f\u00fcr die wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit China sondern auch f\u00fcr die Vertretung der politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in China. Im Laufe der Zeit wurden Ortsgruppen des China-Instituts in mehreren deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten und sogar in China selbst gegr\u00fcndet. In China erhielt das Institut mit dem Deutschland-Institut ein Pendant, das \u2013 \u00e4hnlich wie heute die Goethe-Institute weltweit \u2013 in China f\u00fcr eine Vermittlung deutscher Kultur und Wissenschaft, aber auch f\u00fcr die F\u00f6rderung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden L\u00e4ndern eintrat.<\/p>\n<p>Die China-Euphorie, die in den zwanziger und fr\u00fchen drei\u00dfiger Jahren das Bildungsb\u00fcrgertum der Weimarer Republik erfa\u00dft hatte, wurde durch Richard Wilhelm und die Arbeit des China-Instituts ma\u00dfgebend mitgepr\u00e4gt. Er unterhielt freundschaftliche und fruchtbare Kontakte zu C. G. Jung, mit dem er die alte daoistische Schrift \u201eDas Geheimnis der Goldenen Bl\u00fcte\u201c der Psychoanalyse erschlo\u00df. Die Darmst\u00e4dter Schule der Weisheit und ihr Gr\u00fcnder Hermann Graf Keyserling sowie der indische Schriftsteller und Nobelpreistr\u00e4ger Rabindranath Tagore geh\u00f6rten ebenfalls zu den geistig einflu\u00dfreichen Pers\u00f6nlichkeiten jener Jahre, die in Austausch mit Richard Wilhelm standen.<\/p>\n<h2>3. Das China-Institut unter Erwin Rousselle<\/h2>\n<p>Nach dem fr\u00fchen Tod Richard Wilhelms im Jahre 1930 wurde der Hanauer Sinologe und Buddhologe Erwin Rousselle neuer Leiter des China-Instituts. Erwin Rousselle und Richard Wilhelm sind durch einige interessante Parallelen in ihren Pers\u00f6nlichkeiten verbunden. Auch Erwin Rousselle war ein deutlich religi\u00f6s gepr\u00e4gter Mensch. Aus einer franz\u00f6sisch-reformierten Familie stammend, engagierte er sich stark im Leben seiner Gemeinde und schlug in seinen Studien zun\u00e4chst eine allgemein religionswissenschaftliche Richtung ein, die ihn sp\u00e4ter zum Buddhismus, dann zu China und dem chinesischen Buddhismus insbesondere hinf\u00fchrte. Auch er galt \u2013 wie Richard Wilhelm vor ihm \u2013 als ein Quereinsteiger in der Sinologie, der mit Vorbehalten seiner Fachkollegen zu k\u00e4mpfen hatte, sich aber trotzdem eine anerkannte Stellung innerhalb der Chinakunde erarbeiten konnte. Viele pers\u00f6nliche und wissenschaftliche Kontakte Richard Wilhelms f\u00fchrte Erwin Rousselle fort, zu der Darmst\u00e4dter Schule der Weisheit ebenso, wie zu C.G. Jung und Tagore.<\/p>\n<p>Das China-Institut erlebte nach der \u00dcberwindung der Weltwirtschaftskrise eine richtige Bl\u00fctezeit. Zahlreiche namhafte Mitglieder traten dem Verein des Instituts bei und f\u00f6rderten seine Arbeit in gro\u00dfz\u00fcgiger Weise. Die Rolle, die das China-Institut in dem damals sehr intensiven politischen und wirtschaftlichen Austausch zwischen dem Deutschen Reich und der jungen chinesischen Republik spielte, ist bislang noch kaum erforscht, war aber sicher sehr viel bedeutender, als es ein oberfl\u00e4chlicher Blick auf die Aktivit\u00e4ten der Instituts mit Vortr\u00e4gen, Ausstellungen etc. vermuten lassen. Im Februar 1936 zog das China-Institut in die repr\u00e4sentative Villa Grunelius am Untermainkai um. Dort nutzte Erwin Rousselle die gro\u00dfz\u00fcgigen R\u00e4umlichkeiten, um die wertvolle Kunstsammlung des Instituts in einem architektonisch-k\u00fcnstlerischen Gesamtkonzept zur Geltung zu bringen.<\/p>\n<p>Wie schon Richard Wilhelm vor ihm, widmete auch Erwin Rousselle einen Teil seiner Arbeit der Vermittlung zwischen europ\u00e4ischer und chinesischer Kultur. Die Zeitschrift Sinica wurde zu einer international anerkannten sinologischen Fachzeitschrift, in der auch namhafte chinesische Intellektuelle wie der liberale Sprachforscher, Schriftsteller und Kritiker Hu Shi, oder der Rechtsgelehrte und Philosoph Carsun Chang publizierten. Sie hielt aber nach wie vor an dem Anspruch fest, auch f\u00fcr breitere Kreise China-Themen interessant und lesenswert aufzuarbeiten. Die T\u00e4tigkeit des Instituts mit Vortr\u00e4gen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auch des gegenw\u00e4rtigen China, Ausstellungen, Konzerten und Lehrt\u00e4tigkeit fand ihre Fortsetzung bis zur Bombardierung Frankfurts am 22. M\u00e4rz 1944 und der Zerst\u00f6rung des Instituts-Geb\u00e4udes, dem die umfangreiche und wertvolle Bibliothek komplett zum Opfer fiel. Der Gro\u00dfteil der Kunstsammlung des Instituts war gl\u00fccklicherweise vorher durch Auslagerung in Sicherheit gebracht worden. Nach dem Kriegsende konnte das Institut seine Arbeit wegen Geldmangels nicht wieder aufnehmen und auch der Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie blieb nach dem Tod Erwin Rousselles im Jahr 1949 unbesetzt.<\/p>\n<h2>4. Das China-Institut unter Chang Tsung-tung<\/h2>\n<p>Nachdem 1967 die Johann Wolfgang Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt in die alleinige Verantwortung des Landes Hessen \u00fcbergegangen war, wurde die Professur f\u00fcr Sinologie im Jahre 1973 wieder neu eingerichtet. Neuer Professor wurde der aus Taiwan stammende Wirtschaftswissenschaftler und Sinologe Chang Tsung-tung (1931\u20132000), der vor allem auf den Gebieten der Pal\u00e4ographie und klassischen chinesischen Philosophie forschte. Unter seiner Leitung wurde auch das China-Institut als eingetragener Verein wiederbegr\u00fcndet und aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen und privaten Spenden finanziert. Ausdr\u00fcckliches Ziel Chang Tsung-tungs war es, mit dem neubelebten Institut an die kulturvermittelnde T\u00e4tigkeit der Zeit Richard Wilhelms und Erwin Rousselles wiederanzukn\u00fcpfen. In diesem Sinne begann seine Arbeit mit Vortragsreihen, Ausstellungen chinesischer Kunst und Konzerten mit traditioneller chinesischer Musik. Professor Chang gelang es, eine gro\u00dfe Zahl an Mitgliedern f\u00fcr die Arbeit des Instituts zu gewinnen und erfolgreich an das Erbe der Vorg\u00e4nger anzukn\u00fcpfen. Auf einer China-Reise erwarb Professor Chang einige sehr gute Repliken antiker chinesischer Kunst f\u00fcr das China-Institut. Diese Gegenst\u00e4nde sind noch heute in Vitrinen in den R\u00e4umen der Sinologie zu sehen. Auch die Bibliothek des Instituts wurde als Teil der sinologischen Institutsbibliothek wieder aufgebaut und fortlaufend erg\u00e4nzt. Nach der Emeritierung und dem pl\u00f6tzlichen Tod von Prof. Chang schlief die T\u00e4tigkeit des Instituts \u00fcber der inhaltlichen Neuausrichtung und Restrukturierung der Frankfurter Sinologie zun\u00e4chst aber wieder ein. Andere Aufgaben nahmen die Kapazit\u00e4ten des Faches voll in Anspruch.<\/p>\n<h2>5. Die Reaktivierung des China-Instituts<\/h2>\n<p>Auf Initiative der beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder, Konsul Karl Heinz Arnold und Prof. Rudolf Sellheim, nahm das China-Institut seine Aktivit\u00e4ten im Jahre 2005 wieder auf. Ein neuer Vorstand wurde berufen, den Vorsitz \u00fcbernahm Herr Dr. Georg Ebertsh\u00e4user, Sinologe an der Johann Wolfgang-Goethe Universit\u00e4t. Seit 2007 ist Prof. Dr. Iwo Amelung Vorstandsvorsitzender des China-Instituts.<\/p>\n<p>Das China-Institut an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main wird sich nun wieder seinen Aufgaben der Verst\u00e4ndigung zwischen China und Deutschland widmen. Gem\u00e4\u00df den in der Satzung des China-Instituts niedergelegten Prinzipien will das Institut durch seine Aktivit\u00e4ten einen Rahmen bieten, in dem der Austausch zwischen beiden L\u00e4ndern auf kulturellem, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Gebiet gedeihen und sich entwickeln kann. Hierzu wird das China-Institut mit Vortr\u00e4gen und Symposien, Ausstellungen und Konzerten sowie F\u00f6rderung und Austausches des akademischen Nachwuchses beitragen. An diese Aktivit\u00e4ten ankn\u00fcpfend, aber weit dar\u00fcber hinaus gehend, will das China-Institut ein Forum sein, in dem sich Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft zusammenfinden, um neue Perspektiven im Verh\u00e4ltnis zu China zu er\u00f6ffnen. Das Zusammenwirken von Wissen und Handeln war ein altes Problem der konfuzianischen Philosophie. Das China-Institut will hier eine neue Synthese anstreben.<\/p>\n<div class=\"toplink\"><a href=\"#top\">top \u2191<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Der Gr\u00fcnder &#8211; Richard Wilhelm Das China-Institut an der Goethe-Universit\u00e4t wurde im Jahre 1925 von Richard Wilhelm gegr\u00fcndet. Richard Wilhelm ging Ende des 19. Jahrhunderts als protestantischer Missionar in die deutsche Kolonie Qingdao. Dort betreute er die deutsche Kirchengemeinde und die Schule und missionierte die chinesischen Bewohner der Kolonie. 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