Programm – China-Institut Frankfurt

Globales China – wie sich China in der Welt positioniert

Eine Vortragsreihe des China-Insituts an der Universität Frankfurt 2026

Spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie wurde die Vermutung, dass die wirtschaftliche Globalisierung der Welt mit immer engerer Vernetzung und idealerweise größerer individueller Freiheit einhergehen würde widerlegt. Praktisch alle Staaten der Welt reagierten auf den Ausbruch der Pandemie mit Einschränkungen der Reisefreiheit, Lieferketten wurden unterbrochen, politische Freiheiten wurden beschränkt und neu ausbrechende kriegerische Konflikte drohen zu einem Normalfall in der postpandemischen Welt zu werden. Aber auch diese neue Phase der Unsicherheit entbindet Staaten nicht von der Notwendigkeit, sich in einer zunehmend unwirtlicher erscheinenden Welt zu positionieren. Das gilt keineswegs nur in Bezug auf die Außenpolitik, sondern genauso mit Blick auf eine Vielzahl von anderen Aspekten. Die Frage nach Methoden der Datenerhebung und der Verlässlichkeit von veröffentlichen Daten z.B. hat weitreichende Auswirkungen nicht nur auf die Bereitschaft ein Land in globale Wirtschaftsströme einzubinden, sondern auch auf alle Versuche, die Leistungsfähigkeit des Landes einzuschätzen – und damit auch seine relative Position in einer globalen Ordnung. Die Effizienz von Innovation und die Bedeutung, die die Regierung eines Landes ihr beimisst, sind unverzichtbare Gradmesser für die Position aber zunehmend auch die Ambitionen eines Landes. Die Frage schließlich, was unter „global“ überhaupt zu verstehen ist, stellen sich vor dem Hintergrund des Aufstieges des „Global South“ mit zunehmender Dringlichkeit. Die Vortragsreihe des China-Instituts „Globales China – wie sich China in der Welt positioniert“ setzt die letztjährigen Vorträge im Rahmen der Reihe „China in Xi Jinpings neuer Ära“ fort. Dem China-Institut ist es gelungen, hervorragende Spezialisten für Themen zu gewinnen, deren Bedeutung allgemein anerkannt ist, die aber selten in der gebotenen Tiefe und dem notwendigen kritischen Blick behandelt werden. Die Vortragsreihe versteht sich damit auch als ein Beitrag zu der vielbeschworenen „China-Kompetenz“, die – wenn wir davon ausgehen, dass China in der nahen Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen wird – keineswegs auf die Gruppe der akademischen Spezialisten beschränkt bleiben sollte, sondern tatsächlich auch ihren Widerhall in weiteren Gruppen der Bevölkerung finden muss.
 
November

Vom Orchideenfinger zur geballten Faust: Die Verwandlung der Frauenfiguren vom chinesischen Musiktheater zur revolutionären Modelloper


3. November 2026 | Tuesday | Zeit: 18:00

Gao Yinfu wird eine Lecture Performance zum Thema „Vom Orchideenfinger zur geballten Faust: Die Verwandlung der Frauenfiguren vom chinesischen Musiktheater zur revolutionären Modelloper“ gestalten.
„Erst ihr Gesicht, dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar“ ist eine Lecture Performance über den Körper, das Haar und die Revolution chinesischer Frauen. Der Titel zitiert Bertolt Brechts Gedicht Vom ertrunkenen Mädchen und nimmt damit Bezug auf den Tod der Revolutionärin Rosa Luxemburg. Gesicht, Hände und Haar stehen hierbei nicht nur für das Physische, sondern dienen als Bedeutungsträger für gesellschaftliche und politische Machtverhältnisse.Die Performance untersucht, wie sich politische Gewalt über Generationen hinweg in weibliche Körper einschreibt. Den Ausgangspunkt bildet die Geschichte der Großmutter der Choreografin, die während der chinesischen Kulturrevolution gewaltsam ihr Haar – und damit ein Stück ihrer Würde – verlor.

In dieser Lecture Performance analysiert Yinfu Gao die Bewegungssprache revolutionärer Frauenfiguren aus der Generation ihrer Großmutter und eignet sich diese performativ an. Dabei geht sie der zentralen Frage nach: Welche Ästhetik der Revolution entwickelte sich auf der Theaterbühne als Antwort auf die politischen Umbrüche jener Zeit?

Gao Yinfu ist freischaffende Performancekünstlerin, Regisseurin und Theaterkritikerin aus China; sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Ihre künstlerische Praxis widmet sich feministischen Perspektiven und der Darstellung des weiblichen Körpers im chinesischen soziokulturellen Kontext. Seit 2022 arbeitet sie an einer dreiteiligen Performance Serie über die Frauen ihrer Familie und die chinesischen Frauenbewegungen des 20. Jahrhunderts: „Mulans“ (über die feministische Strömung um 1919; ausgezeichnet mit dem Szenenpreis des MADE Festivals Hessen 2024), „Erst ihr Gesicht, dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar“ (über die Kulturrevolution, Modellopern und die Geschichte ihrer Großmutter), „Half of the Sky, the Whole Sky” (über weibliches Schreiben unter der Geschlechterpolitik der Mao‑Ära).

Zeit: Dienstag, 03. 11.2026, 18:00 Uhr
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Casino, 1.811

Unkostenbeitrag: 10 EUR, Studierende: 3 EUR, kostenfrei für Mitglieder des China-Instituts
Anmeldung: vonboeckmann@em.uni-frankfurt.de

June

The Chinese Life of Gregor Samsa: The Metamorphosis and Other Imaginations of the Future in Contemporary Chinese Theatre


24. June 2026 | Wednesday | Zeit: 18:00

Prof. Dr. Rosella Ferrari wird zum Thema „The Chinese Life of Gregor Samsa: The Metamorphosis and Other Imaginations of the Future in Contemporary Chinese Theatre“ vortragen.

This lecture explores visions of the future in contemporary Chinese theatre. Especially since the pandemic, projections of future-oriented sensibilities and alternative human and posthuman scenarios have emerged on China’s physical and online stages, ranging from technophobic prophecies of digital doom to ambivalent heterotopias and virtual fantasies of escape. Just as the association of futurity and technology permeates both official discourse and popular consciousness, practices of future-making in performance frequently intertwine with technological innovation and imagination. One example is a stage adaptation of Franz Kafka’s The Metamorphosis, directed by Li Jianjun as part of a “posthuman trilogy” produced in the early post-pandemic period. This version, in which Kafka’s protagonist is recast as a Chinese delivery driver who transitions into a virtual idol – part human, part animal, and part machine – revisits modernist articulations of alienation, animality, and abjection to offer a critique of labour precarity and media objectification in the context of twenty-first-century digital capitalism.

Rosella Ferrari is Professor of Chinese Studies in the Department of East Asian Studies at the University of Vienna, Austria, and she has previously worked at SOAS University of London, UK. Her research focuses on the contemporary theatre and performance cultures of the Chinese-speaking region. She is the author of Pop Goes the Avant-garde: Experimental Theatre in Contemporary China (2012), Transnational Chinese Theatres: Intercultural Performance Networks in East Asia (2020), and Performance and Postsocialism in Postmillennial China (2025), and co-editor of Asian City Crossings: Pathways of Performance Through Hong Kong and Singapore (2021). She is the Principal Investigator of the research project, “Performing Postsocialism in Twenty-First-Century China” (10.55776/PAT9791923), funded by the Austrian Science Fund (FWF).

Zeit: Mittwoch, 24. 06.2026, 18:00 Uhr
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Seminarhaus, SH 1.109

Unkostenbeitrag: 10 EUR, Studierende: 3 EUR, kostenfrei für Mitglieder des China-Instituts
Anmeldung: mehrer@em.uni-frankfurt.de